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Sakrale Geometrie

Die wahre Ikone gibt auf sichtbare und fühlbare Weise die Schönheit einer überirdischen Realität wieder.

Die Ikone, so sagt Pavel Florenskij*, „erhebt den Verstand von den Bildern zu den Archetypen“, sie ruft eine spirituelle Vision im Bewusstsein des Gläubigen hervor. In dieser Hinsicht strebt jedes in der Ikone enthaltene Element das Ziel an, den Verstand auf die Verwirklichung des erhabenen Zustandes zu orientieren, den das Bild darstellt und zugleich gestattet es, dank dem Gesetz der Resonanz, dem formlosen Inhalt der spirituellen Visionen eine Form zu geben, um dieselbe Offenbarung an diejenigen weiterzugeben, die die Ikone betrachten.

Die Dimensionen der Holztafel, die Farben, die Formen, die gemalten Symbole, alles ist darauf ausgerichtet, das menschliche Bewusstsein mit der Welt des engelhaften oder göttlichen Lichts in Einklang zu bringen. In diesem Prozess spielt die Geometrie eine wesentliche Rolle. Sie ist grundlegender Bestandteil der traditionellen christlichen Ikonographie, die auf der geometrischen Symbolik basiert und die das wahre Instrument darstellt, welches den Gestalten genaue Formen und Proportionen verleihen kann, die dem theologischen Inhalt, den die Ikone ausdrücken will, nahe kommen.**
Der Kanon aller Gestaltungselemente der Ikone entspricht denen der gotischen Kathedralen, die nach genauen architektonischen Regeln der sakralen Geometrie erbaut wurden.

* Pavel Florenskij, „Die Ikonostase“, Verlag Urachhaus    ** Associazione Archeosofica, „Tradizione e Futuro“, Ausstellungskatalog 2012